Geil – großartig – gigatot: Drogen als Irrweg
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In Kooperation mit der Raiffeisenbank Lieboch-Stainz: Jugendrichter Dr. Helmut Wlasak mit aufrüttelndem Vortrag in der Hauptschule Stainz.

Ganz behutsam führte der anerkannte Drogen-Experte seine Zuhörer an das Thema heran. Seine Aussage: Fehlendes Wissen trägt Schuld an vielen Fehlentwicklungen. Als Beispiel bediente er sich des Auto fahrens, bei dem sich viele Verkehrsteilnehmer der Folgen ihrer (fahr)lässigen Handlungen nicht bewusst seien. Meist seien das Jugendliche, welche die größte Gosch’n hätten, aber nass zwischen den Backen wären. Etwa, wenn Mädchen zu knapp am Lenkrad sitzen und sich damit ihrer Armfreiheit berauben oder wenn Burschen eine Hand locker ans Fenster halten und auf unliebsame Situationen nicht entsprechend reagieren können. „Der Anprall mit 50 km/h entspricht dem Sprung vom 10-m-Trampolin,“ lud Wlasak die Anwesenden zum Test ein, wie schwer es ist, sich beim Fallen aus dem Stand mit den Händen abzufangen.
Dann der Schwenk zum Inhalt des Vortrags: Sucht, im Besonderen Drogensucht. Seine Definition: Es muss etwas gemacht werden, um sich dabei und nachher besser zu fühlen. Mit zum teil drastischer Ausdrucksweise („Die Jugendlichen verstehen mich so am besten.“), viel theatralischem Gefühl („Hei, Olta, samma heit guat drauf?“) und noch brutalerer Härte in der Aussage („Habt’s ihr schon einmal einen jungen Burschen gesehen, der an der eigenen Speibe erstickt ist?“) zielte er auf den Nerv seiner jungen Zuhörerschaft. Und er traf ihn: Brandete zu Beginn bei einigen Passagen noch ein die Unsicherheit übertünchendes Gelächter auf, war es zum Schluss mucksmäuschenstill in den Reihen. Das Aufzeigen, dass es mitunter nur eine einzige falsche Handlung ausmache, dass es im Grunde jeden erwischen könne und dass die Folgen verheerend seien, ließ die Lockerheit zu Betroffenheit mutieren.
Als besonders schwierige Phase wandte sich Helmut Wlasak der Pubertät zu. „Unser Körper ist ein Wunder,“ meinte er, mache er doch Dinge ganz von selbst. Oder haben Sie schon einmal zu atmen vergessen? Allerdings: Im Gehirn befindet sich auch das so genannte Belohnungssystem, das permanent auf Anerkennung aus ist. Das heißt: Mädchen wollen schön, Burschen cool sein. Und wenn das jemandem nicht gegeben ist, will er diesen Zustand ändern. Etwa durch eine Schönheitsoperation (in Deutschland 8,5 Millionen Mal pro Jahr) oder durch den Griff zur Droge, der das Belohnungssystem nach oben pusht. Das Fatale dabei: Nach unten geht es immer tiefer, nach oben hingegen immer weniger hoch, wobei sich die Zustände Hoch und Depression schneller und schneller ablösen.
Die Beispiele aus der Praxis des Jugendrichters ließen an Deutlichkeit nichts offen. „Heut’ is er ein Tschopperl,“ sprach er den Fall Kurti an, der sich in seinem Wahn vom Dachgerüst eines Bierzeltes in die Tiefe stürzte. Auch die Angelegenheit aus Graz, in welcher der drogenkranke Bruder durch Drogen den Tod seines jüngeren Bruders herbei führte, ging unter die Haut.
Nächster Ansatz: „Wisst ihr, was in Drogentabletten so alles drin ist?“ Der von der Justiz verwendete Begriff Persil lässt es erahnen: Drei Prozent sind aufputschend (fallweise Rattengift), der Rest ist aromatisiertes Waschpulver. Verschärfende Ergänzung: „Und wenn die Tablette rot sein soll, wird einfach Ziegelstaub beigemengt.“ Der aufgedruckte „Smiley“ kann also zu Recht als grinsende Fratze des Todes bezeichnet werden. Zumal die Tabletten ja viel kosten und die Bezieher finanziell zusätzlich unter Druck bringen.
Gegen Schluss kam Helmut Wlasak zu seiner Kernaussage: Eigenverantwortung. Niemand wird zum Konsum von Drogen gezwungen. Und an die Eltern gerichtet: „Nehmen Sie (gemeint waren gleichermaßen Mama und Papa) diese Eigenverantwortung Ihrer Kinder ernst! Seien Sie Ansprechpartner und Reibebaum! Geben Sie Ihrem Kind Spielregeln! Dies mag zwar im Augenblick beschwerlicher erscheinen, besser als ständige Depression und jahrelange Abhängigkeit ist es aber in jedem Fall. Wie kann man Ansätze zu Suchtkonsum erkennen? Bei offensichtlichen Veränderungen im täglichen Verhalten. „Scheuen Sie im Anlassfall keine professionelle Hilfe,“ wünschte Helmut Wlasak allen Zuhörern ein ehrlich gemeintes Auf-Nicht-Wiedersehen. Michael Seiner von der Raiffeisenbank Lieboch-Stainz verstärkte diese Aussage mit einem Präsent an den Referenten.
(Gerhard Langmann)